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Auf der andren Seite der Schwelle

Auf der andren Seite der Schwelle: Sprachlich. Und inhaltlich.

Auf der andren Seite einer Schwelle auch was den Inhalt dieses Beitrags hier betrifft.

Vergangene Woche hatten wir ein Mittelbaulertreffen um festzulegen wer von uns wie für die nächste Wahlperiode für den Fakultätsrat kandidiert. Diese kommende Wahlperiode reicht bis September/Oktober 2013. Und unter all den Anwesenden gab's gerade mal zwei deren Verträge noch bis über das September/Oktober 2013 hinaus liefen (eine Kollegin, und ich selber als "[Arbeits]Lebenslänglicher").
Auf der Liste oben stehen jetzt zwei Leute die nicht zu denen mit so (halbwegs) gesicherter Beschäftigungsperspektive gehören.

Die Presse.com berichtet hier (mit Datum von heute) über eine Österreich betreffende Studie von 2010, in der vom Umsichgreifen von (eher magren) Teilzeitjobs für die universitären Nichtprofessoren berichtet wird. (Die Studie gibt's unter URL http://www.joanneum.at/uploads/tx_publicationlibrary/RR98_Grundlagenforschung.pdf, einschlägig dort p. 51sqq.) Vergleichbare Studien kenne ich für Bayern und insbes. unsere Uni nicht, aber mir sieht's hier was das betrifft ziemlich ähnlich aus (widerlegende Statistiken wären willkommen).

Und dass es die Sichtweise gibt, dass Leute auf halben Stellen auch bloß halbe Schreibtische zum Arbeiten brauchen, und die Raumsituation generell habe ich noch gar nicht erwähnt. (Die beträchtliche Zahl von Drittmittelbeschäftigten ist nicht völlig ohne Beziehung zur Raumsituation.)

Die Zeiten wo Assistentenstellen (mit 3+3 Jahren, wenn ich's richtig erinnere) und anschließende Oberassistentenstellen der Normalfall waren scheinen vorbei.

Habe (ebenfalls vergangene Woche) mit einer Kollegin gesprochen und die Frage gestellt, weshalb sich denn eigentlich für einige Stellen im Universitätsbereich (zunächst in Italien, aber durchaus nicht nur dort) überhaupt Leute finden? Die Antwort war Alternativlosigkeit der betreffenden/betroffenen Leute.
Alternativlos zu sein verbessert die eigene Verhandlungsposition nicht, kann erpressbar machen, trägt nicht zu erhöhter Lebensqualität bei.
Ursache der Alternativlosigkeit ist das (zumindest nach eigener Selbstwahrnehmung) Nichtsandresals(nichtanwendbare)wissenschaftkönnen. Wissenschaft als Berufung ist vermutlich etwas schönes; aber Wissenschaft (mindestens auch) als Job zu denken und zu leben und sich daher (mindestens solange man von der [nichtanwendbaren] Wissenschaft nicht sicher leben kann) Alternativen zu schaffen und zu erhalten: das hilft in keinen Teufelskreis zu geraten der zur Abwärtsspirale werden kann.

Und: Wenn nur (noch) die Alternativlosen als Mittelbauler in die Universitäten gehen, dann heißt das auch, dass diejenigen die pragmatischer, weniger wissenschaftsbesessen, flexibler sind - das nicht (mehr) tun. Und das hat Folgen für die Qualität der Universität, ihre Arbeitsatmosphäre, ihre Positionierung und Position im Gemeinwesen, den Typ ihres Status als bürgerliche Einrichtung.

Wir sind eine "modernere", in vielem leistungsfähigere Universität als wir's noch vor ca. 15 Jahren waren. Aber wir zahlen mehr als einen Preis dafür. Und mir scheint es fehlen die Mittel und Maßstäbe um rauszufinden um die Summe dieser Preise angemessen oder zu hoch ist (und angemessen oder zu hoch für wen und/oder was).

Die Schwellen sind viele: zwischen mittelfristig Beschäftigten und kurzfristig Beschäftigten, zwischen unbefristet Beschäftigten und befristet Beschäftigten, zwischen Leuten auf Professorenstellen und Leuten auf Nichtprofessorenstellen, zwischen Lehrenden und Lernenden, etc.. Und es gibt Leute bei denen nicht beide Füße auf der selben Seite der Schwellen stehen. Wer ist noch "wir"? Wer ist die Universität? Und was für eine Universität? Und wie lange noch? Oder teilweise schon nicht mehr?

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Comments

Danisch

Danisch und ARD

Zum "Überangebot an Schafen" (sehrrrr schöne Formulierungs Danisch's da, m.E.) siehe jetzt auch http://www.forschungsmafia.de/blog/2011/07/19/buchkritik-traumjob-wissenschaft/

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