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Aus dem Elfenbeinturm geworfene Fußnoten

Spätestens wenn man Ergebnisse veröffentlicht sind wissenschaftliche Aktivitäten (und solche die beanspruchen oder beansprucht haben es zu sein) nicht mehr Handlungen und Handlungsfolgen einer Privatperson als Privatperson, sondern sind der öffentlichen persona des Handelnden zuzurechnen.

Wäre der Bereich der Relevanz akademische Redlichkeit auf die Elfenbeintürme, die Wissenschaftler ja angeblich so gerne bewohnen und nie verlassen beschränkt, so wären auch durch redliche Tätigkeit zustandegekommene wissenschaftliche Ergebnisse außerhalb der Elfenbeintürme irrelevant, müssten als Ergebnisse wissenschaftler Tätigkeit dort bedeutungslos sein und bleiben.

Die "causa Guttenberg" als Fall mangelnder akademischer Redlichkeit ist für mich weitaus weniger verstörend, als es die "causa Stone" (wo es um Pagiate es akademischen Lehrers, und um viele Jahre langes breites Versagen informeller akademischer Qualitätssicherung ging) war und ist.

Was die "causa Guttenberg" aus meiner Sicht so ärgerlich gemacht hat, war der Versuch einiger Verteidiger des Politikers zu Guttenberg wissenschaftliches Fehlverhalten als etwas darzustellen, das nur in einem wohlummauerten Sandkasten in dem Wissenschaftler ihre esoterischen Sandburgen bauen von Bedeutung sei.
Wäre das erfolgreich gewesen, so wäre es gelungen Wissenschaft in den Elfenbeinturm einzusperren, auf Inseln im Meer des (auch) für Nichtwissenschaftler interessanten zu deportieren, die Narren des Hofes zu verweisen.

Wegen dieser verfehlten Verteidigungsstrategie ist mir zu Guttenbergs heutiger Rücktritt erfreulich. Ob der Rücktritt als Minister mit einer anderen Verteidigungsstrategie, mit geschickterer Kommunikation hätte vermieden werden können? Ich weiss es nicht; aber nach der Lektüre der unter http://www.facebook.com/notes/karl-theodor-zu-guttenberg/pers%C3%96nliche-erkl%C3%84rung/10150111636086926 zu lesenden "Persönlichen Erklärung" (die m.E. ein durchaus achtbarer, beachtlicher Text ist) halte ich es für nicht ausgeschlossen: schnelles, vollständiges, demütiges Schuldeingeständnis plus (unter Verweis auf zu Guttenbergs Arbeit und Aufgaben als Verteidigungsminister von der Kanzlerin abgelehntes) Rücktrittsangebot hätten u.U. den Schaden sowohl für zu Guttenberg als auch für das Ansehen der Wissenschaft in Deutschland geringer halten können.

Ob der Rücktritt des Verteidigungsministers als Rücktritt des Verteidigungsministers eher gut oder eher schlecht ist: das wird in den Händen seiner Nachfolgerin oder seines Nachfolgers liegen. Für Leute die Versuchen Fußnoten aus Elfenbeintürmen zu werfen und hoffen dass diese Fußnoten jemand auffängt oder dass sie auf fruchtbaren Boden fallen als Leute die Versuchen Fußnoten aus Elfenbeintürmen zu werfen und hoffen dass sie jemand auffängt oder dass sie auf fruchtbaren Boden fallen, für solche Leute als solche Leute scheint der Rücktritt mir gut (weshalb ich Herrn zu Guttenberg heute dankbar bin).


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Comments

Öffentlicher Bericht zu Veröffentlichungen nötig

Dem Vernehmen nach gibt es Versuche sich gegen eine Veröffentlichung des Untersuchungsberichts der Universität Bayreuth zu dem was Freiherr zu Guttenberg als Dissertation dort eingereicht hat und zu den anschließenden Vorgängen zu stellen: siehe z.B. http://www.sueddeutsche.de/karriere/plagiatsaffaere-um-doktorarbeit-gutachten-guttenberg-hat-absichtlich-abgeschrieben-1.1083118 und http://www.sueddeutsche.de/karriere/plagiatsaffaere-guttenberg-und-die-moral-von-der-geschicht-1.1083303 und http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,756046,00.html und http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,756126,00.html und http://archiv.twoday.net/stories/16558250/.


M.E. sollte die Universität Bayreuth den Bericht ihrer Untersuchungskommission mindestens insoweit veröffentlichen wie er sich auf die Vorgänge an der Universität selbst bezieht (i.e. wie es dazu kommen konnte, dass der eingereichte Text nicht als das erkannt wurde was er ist, sondern mit summa cum laude von (mindestens) zwei Beurteilern bewertet wurde), und welche Vorkehrungen vorgeschlagen werden um derlei in Zukunft umöglich (oder zumindest weniger wahrscheinlich) zu machen), um den bereits entstandenen Schaden für die Universität zu begrenzen, und weiteren Schaden zu vermeiden.

Ich vermute, das eine solche Veröffentlichung kaum möglich sein wird, ohne auch das Urteil der Kommission über das was da als Doktorarbeit eingereicht wurde deutlich erkennbar werden zu lassen.
Daher lese ich die Versuche zu verhindern dass ein Urteil das Freiherr zu Guttenbergs Verhalten als absichtliche Täuschung zu bewerten scheint (Tanjev Schultz, SZ 2011-04-08: "Er hat aber stets bestritten, absichtlich abgeschrieben und die Hochschule mit seiner Doktorarbeit getäuscht zu haben. Die Kommission der Universität Bayreuth, die den Fall geprüft hat, sieht es anders. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung kommt sie zu dem Urteil, dass Guttenberg mit Absicht gehandelt haben muss. Ausmaß und Art der Plagiate in Guttenbergs Doktorarbeit ließen keinen anderen Schluss zu.") veröffentlicht wird, als Versuche die Universität Bayreuth zu zwingen sich weiteren wesentlichen Schaden zuzufügen. Um Schaden zu vermeiden muss die Universität Bayreuth zeigen dürfen und zeigen, dass sie adäquat auf wissenschaftliches Fehlverhalten reagiert. Sollten diese Versuche sie daran zu hindern Erfolg haben, so würde es mich überraschen. Einer "politischen Resozialisierung" des Freiherrn zu Guttenberg sind sie m.E. auch nicht zuträglich ... . Aber dieser Herr und seine Zukunft sind mir ziemlich egal. Der Ruf der Universität Bayreuth (die eine Universität im selben Bundesland ist in dem auch auch an einer Universität arbeite) ist es nicht.

Re: Öffentlicher Bericht zu Veröffentlichungen nötig

Updates von SPON:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,756280,00.html
und
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,756430,00.html
:
Blankes Unverständnis für den Versuch die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts der Uni Bayreuth zu verhindern.

Re: Öffentlicher Bericht zu Veröffentlichungen nötig

Update: Doch keine Einwände des hern Freiherr zu Gottenberg gegen die Veröffentlichung des Berichts der Uni Bayreuth zu seiner Veröffentlichung: http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/karl-theodor-zu-guttenberg-gutachten-zur-doktorarbeit-wird-veroeffentlicht-_aid_618205.html

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